Archiv für den Monat Mai 2016

Bolusrechner, die zweite #zahlenversteher

Auf geht’s in Runde zwei der aktuellen Bolusrechner. Heute möchte ich euch den FreeStyle InsuLinx® von Abott vorstellen. Die Funktionen des Bolusrechners sind auch im FreeStyle Libre® verfügbar. Der Bolusrechner kann aber nur verwendet werden, wenn eine herkömmliche Blutzuckermessung samt Teststreifen durchgeführt wird. Ein Scan kann hierbei nicht herangezogen werden.

Im Gegensatz zu anderen Rechnern, wird bei Aktivierung des Gerätes ein Code benötigt. Dieser ist aber für jedes Gerät derselbe, weshalb eine Einstellung auch ohne medizinisches Fachpersonal möglich ist. Nach der Eingabe des fünfstelligen Codes kann man zunächst die Dosierschritte wählen ( 0,5 oder 1 Einheit). Danach hat man die Wahl zwischen einem einfachen und einem erweiterten Modus. Der einfache Modus erlaubt es, z.B. bei festen Spritzschemata, diese ins Gerät einzugeben. Hierzu gibt man zu den drei festen Mahlzeiten die Einheiten ein, welche bei einem gutem Blutzuckerwert benötigt werden. Danach gibt man den Zielbereich ein und zum Schluss noch die Menge des Insulins, welches zur Korrektur benötigt wird. Fertig!

Anders sieht es beim erweiterten Modus aus. Hier hat man dann die Möglichkeiten BE/KE-Faktoren einzugeben sowie Korrekturfaktoren festzulegen. Daneben ist es möglich entweder einen Zielbereich oder einen Zielwert festzulegen. Ausserdem wird noch die Wirkzeit des Insulins eingegeben. Möchte man sich die Wirkung anzeigen lassen, erscheint ein kleines Männchen im Display, sobald Insulin als abgegeben eingespeichert wird. Das Männchen ist zu Beginn gefüllt und je länger die letzte Injektion zurückliegt, desto weniger ist die Befüllung. Leider lassen sich die Zeitblöcke nicht ändern, was ich mit als das größte Manko dieses Rechners ansehe. Der Morgenblock ist von 04.00-10.00 Uhr, der Mittagsblock von 10.00-16.00 Uhr, der Abendblock von 16.00-22.00 Uhr und der Nachtblock von 22.00-04.00 Uhr.


Die Features im Überblick:

+ Wahl zwischen einfachem und erweiterten Modus

+ Einfaches Auslesen der Daten am PC

+ beim FreeStyle Libre® auch Ketonmessung möglich

+ Beleutung des Teststreifens und Displays möglich

 

– keine manuelle Bearbeitung der Zeitblöcke möglich

– keine manuelle Eingabe von Basisinsulin möglich, ohne einen Blutzuckerwert zu messen

– keine App Anbindung möglich

Der entscheidende Vorteil des FreeStyle InsuLinx®ist , dass eine sehr schnelle Einstellung gerade bei festen Insulineinheiten möglich ist. Zudem benötigt der Teststreifen des FreeStyle Lite® nach wie vor mit am wenigsten Blut. Das Blut lässt sich von beiden Seiten auftragen und: ist zu wenig Blut aufgetragen worden, kann nachgetropft werden.

Weniger gut gelungen sind die Funktionen des Gerätes, sowie die fehlende Möglichkeit auch individuelle Einstellungen bei intensivierter Insulintherapie vornehmen zu können. 

In den kommenden Tagen möchte ich euch dann den Bolusrechner der MySugr® App vorstellen. Stay tuned und schönes Wochenende!

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Bolusrechner, die erste #datensammler

Heute startet meine neue Reihe zum Thema elektronische Bolusberechnung. Was in der Pumpentherapie seit Jahren dazu gehört, ist bei anderen Patientengruppen eher ein Nischenthema. In weiteren Beiträgen erfahrt ihr alles über die meist genutzten Geräte und Apps, sowie was Sie können oder Sie auszeichnet. Ich finde es echt schade, wie wenig das Thema in der Diabetesberatung besprochen wird. Ich kann die Bedenken der Gegner, der Bolusrechner wäre etwas für Faule und die Patienten würden sich zu sehr auf diesen verlassen, allerdings nicht teilen. Letztendlich entscheidet jeder selbst, was im hilft und was nicht. Diabetesmanagement bedeutet auch Datenmanagement und hierbei kann ein Bolusrechner die nervige Dokumentationsarbeit etwas vereinfachen.

P.S. die elektronische Dokumentation wird bei der Krankenkasse, dem MDK oder anderen Stellen z.B. bei der Beantragung des Schwerbehindertenausweises akzeptiert.

Was kann der Bolusrechner? Im Alltag helfen, die richtige Insulinmenge zum Essen oder zur Blutzuckerkorrektur zu ermitteln. Er berücksichtigt dabei auch, wann die letzte Insulingabe erfolgt ist (sofern diese im Gerät erfasst wurde) und kann somit den „Überlappungseffekt“ der Insulinwirkung mit anschließender Unterzuckerung verhindern. Für mich die überragende Funktion des Rechners. Ich wüsste nicht mehr, wie viel von meinem Insulin noch wirkt, welches ich vor 4 Stunden abgegeben habe.

Was kann der Bolusrechner nicht? Denken. Er kann nur das berechnen, was eingegeben bzw. eingestellt wurde. Ums zusammenzufassen: werden alle Angaben wie BE-Faktoren, Korrekturfaktor, Zielbereich sowie Wirkzeit des Insulins eingestellt kann es losgehen.


Starten möchte ich gerne mit dem Klassiker unter der Bolusrechnern, dem AccuChek® Aviva Expert. Eigentlich gab es das Gerät zunächst nur, wenn man Nutzer der AccuChek®Combo Insulinpumpe war. Viele ICT-Patienten wollten aber auch gerne die Funktionen, die das Blutzuckermesssystem geboten hat nutzen. Deshalb gab es dann auch ein Standalone Gerät. Die Menüführung ist übersichtlich, die Programmierung erfolgt, wie bei fast allen Bolusrechner nach folgenden Schritten:

  1. Grundeinstellungen: Datum, Uhrzeit, Einheiten
  2. Einstellung der Zeitblöcke*
  3. Einstellung der Gesundheitsereignisse**
  4. Einstellung von Erinnerungsfunktionen für Blutzuckermessungen nach Unter-oder Überzuckerungen, Wecker oder Erinnerung an Arztbesuche

* Mein Tipp aus der Praxis: immer nach den genauen Zeitpunkten fragen. So kann der „Frühstückszeitpunkt“ sowohl unter der Woche als auch fürs Wochenende passen. Im Falle vom AccuChek® Aviva Expert wäre das zum Beispiel der zweite Zeitblock: Beginn ist dann der frühste Zeitpunkt, an dem gegessen wird bzw. der BE-Faktor zur Anwendung kommen soll. Ende ist der späteste Zeitpunkt. Für mich wäre das dann ein Zeitblock von 07:00 – 12.00 Uhr. Erst nach 12.00 Uhr würde mein Mittagsfaktor Berücksichtigung finden. Der Zielwert ist übrigens der Mittelwert der angezeigten Werte. Steht bei mir ein Zielbereich von 100-140 mg/dl wäre der Zielwert 120 mg/dl. Die Korrektur erfolgt dann erst ab 140 mg/dl auf 120 mg/dl, mit dem angegebenen Faktor der unter der Insulinsensitivität zu finden ist.

** Die Gesundheitsereignisse können angewendet werden, wenn bei der Berechnung der Bolusmenge noch Bewegung oder Krankheit Berücksichtigung finden sollen. Die Einstellung erfolgt über die Funktion Einstellungen und dem Punkt Bolusvorschlag. Unter den Zeitblöcken lassen sich Gesundheitsereignisse einstellen. Als Standard stelle meist folgendes ein: Sport 1 – 50%, Sport 2 – 30%, Krankheit + 30 %. Wenn die Funktion genutzt wird, erfolgen dann natürlich noch individuelle Anpassungen. Und was heisst das jetzt? Wenn ich gerade Sport gemacht habe und etwas esse und bei der Bolusberechnung Sport 1 anwähle, wird mein Bolus halbiert.

Wenn ich Patienten das erste Mal Blutzuckermessgeräte mit der Funktion der Bolusberechnung berate, nehme ich die Einstellungen anhand der persönlichen Angaben selbst vor. Geübt werden im Anschluss nur einige Blutzuckermessungen und die Handhabung sowie Dateneingabe im Gerät. Denn je einfacher die Erklärung ist, um so eher wird damit gearbeitet. Meine älteste Nutzerin ist weit über 80 und ist mehr als begeistert. Danach heisst es immer: learning by doing! Wer sich wirklich dafür interessiert, wie man Einstellung anpasst und was daraus resultiert, bekommt dafür einen extra Termin.

Nach mittlerweile gefühlten hunderten Einstellungen von Bolusrechnern jeglicher Art, kann ich aus Erfahrung sagen: je genauer und präziser die Einstellungen vorgenommen werden, umso besser können Patienten mit den Geräten arbeiten. Das Gerät soll nicht nerven, sondern helfen. Wenn ich fast jeden Bolusvorschlag, wegen falscher Angaben korrigieren muss, macht er wenig Sinn. Deshalb frage ich spätestens beim nächsten Termin nach, ob das Gerät gut eingestellt worden ist oder nicht.

Die Features im Überblick:

+ individuell einstellbare Zeitblöcke

+ Einstellung eines Sicherheitsfensters, Snackgrößen sowie Gesundheitsereignisse

+ Auslesen des Daten über die Accucheck SMART Pix Software oder das Connect Onlineportal

+ Eingabe von Basalinsulin möglich

+ Abgabe der Geräte nur durch medizinisches Fachpersonal

 

– Größe des Gerätes

– keine Ketonmessung möglich

– keine Einstellung von Zeitblöcken fürs Wochenende möglich

– keine manuelle Eingabe von Blutzuckerwerten sowie anschließender Bolusberechnung möglich

– bei Inbetriebnahme muss die Berechnungseinheit ( BE/KE/KH) festgelegt werden, diese kann abschließend nicht mehr geändert werden

– keine App Anbindung möglich

Nicht unerwähnt soll hier das AccuChek® Connect bleiben. Das Blutzuckermessgerät hat zwar keinen integrierten Bolusrechner, lässt sich aber die dazugehörige App erweitern. Diese funktioniert genauso wie der Bolusrechner des AccuChek® Aviva Expert. Die Freischaltung erfolgt hierbei über einen einmaligen Code, den es nur von medizinischem Fachpersonal gibt. Nennenswerte Zusatzfunktionen: Möglichkeit Fotos bei der BE-Angabe zu hinterlegen, SMS-Funktion (Senden der Werte an ein weiteres Mobiltelefon) sowie kabellose Übertragung aller Werte und Angaben ins dazugehörige Patientenonlineportal.

Der entscheidende Vorteil des AccuChek® Aviva Expert ist, dass eine sehr individuelle und präzise Einstellung des Gerätes möglich ist. Bisher der einzige, der sich so nach Maß einstellen lässt. Auch der einfache Datenaustausch stellt für mich ein dickes Plus dar.

Weniger gut finde ich nach wie vor die Größe, sowie die fehlende Möglichkeit auch eine einfache Berechnung ( nur nach Zielwert und festen Insulineinheiten) vornehmen zu können. Für die App gilt: eine schnellere Übertragung der Blutzuckerwerte auf die App wäre wünschenswert.

 

Die nächsten Tage möchte ich euch dann den Bolusrechner im FreeStyle InsuLinx bzw. FreeStyle Libre vorstellen. Bis dahin & stay tuned.